Samstag, 14. Februar 2026

Gold Vision Test: Gold, Silber und andere Edelmetalle finden für nur 150€?

Derzeit kursiert auf Facebook eine Anzeige für einen „tragbaren Metalldetektor“, der nach Werbeaussage Edelmetalle in 3000 m Umkreis und bis 40 m Tiefe finden soll – inklusive 3D-Anzeige von Größe und Dichte. Preis: rund 155 €. Klingt nach Schatzsuche per Knopfdruck. Aber kann das physikalisch überhaupt stimmen? Ich habe mir Gerät, Versprechen und Anbieterauftritt angesehen – und zerlege das hier Punkt für Punkt.


1) Was echte Metalldetektoren wirklich leisten (ohne Magie)

Ein normaler Metalldetektor arbeitet nicht mit „Fernwahrnehmung“, sondern ganz simpel: Er erzeugt ein elektromagnetisches Feld und misst, wie Metall darauf reagiert. Deshalb führen Detektoristen eine Suchspule dicht über dem Boden – weil man für ein verwertbares Signal in die Nähe des Objekts kommen muss.

Das ist keine Haarspalterei, sondern der praktische Kern: Je weiter weg und je tiefer im Boden, desto schwieriger wird es – weil Boden, Feuchtigkeit und Mineralien Signale dämpfen und verfälschen.


2) Die Werbeversprechen: drei Aussagen, die zusammen nicht passen

In der Werbung werden (sinngemäß) drei Dinge gleichzeitig versprochen:

  • „3000 m Umkreis“

  • „bis 40 m Tiefe“

  • „3D-Anzeige von Größe und Dichte“

Das ist genau die Kombination, bei der man stutzig werden muss:

(1) Kilometer-Reichweite: Metall sendet kein eindeutiges Signal „von selbst“, das man einfach anpeilen kann. Wenn jemand so etwas behauptet, müsste er sehr klar erklären, welches Messprinzip, welche Sensorik und welche Grenzen gelten. Das fehlt in der Regel.

(2) 40 m Tiefe: In realem Boden sind selbst gute Systeme durch Bodenverhältnisse begrenzt. „40 m präzise“ in einem kleinen Handgerät für 155 € ist extrem unplausibel.

(3) „Dichte in 3D“: „Dichte“ ist keine Information, die man aus dem Erdreich heraus einfach so als Anzeige bekommt. Das klingt wissenschaftlich, ist aber in solchen Anzeigen meist nur ein Schlagwort, das Kompetenz simulieren soll.

Kurz: Das Versprechen wirkt weniger wie Messtechnik – mehr wie Verkaufspsychologie.


3) Antennen und „Mini-Schüssel“: Requisite statt Erklärung

Auf den Bildern sieht man zwei Stäbe („Antennen“) und eine kleine „Schüssel“, die optisch nach Radar/Satellit wirken soll. Entscheidend wäre aber: Was tun diese Teile konkret? Welche Signale werden genutzt? Was wird gemessen? Warum soll Gold anders reagieren als Kupfer oder Stahl?

Wenn diese Fragen nicht sauber beantwortet werden, bleibt nur Optik. Und Optik ist in dieser Produktkategorie leider oft Teil der Masche: Es soll „militärisch“ und „high-tech“ aussehen, ohne dass die Technik nachprüfbar ist.


4) Der Anbieterauftritt: Der Footer entlarvt die Seriosität


Hier wird es besonders deutlich: Im Footer der Seite stehen als Kontakt offensichtliche Platzhalterdaten wie:

Das sind Demo-Texte aus Shop-Vorlagen – kein echter Händler. Ein seriöser Online-Shop nennt nachvollziehbar Name/Firma, ladungsfähige Anschrift und echte Kontaktwege. Wer Geld nehmen will, aber nicht einmal echte Kontaktdaten angibt, disqualifiziert sich selbst.


5) Klare Warnung

Bis zum Beweis des Gegenteils ist dieses Angebot aus den oben genannten Gründen als sehr unseriös anzusehen – am ehesten als Scam. Die versprochenen Leistungsdaten wirken nicht realistisch, und der Anbieterauftritt liefert zusätzliche Alarmzeichen.

Selbst wenn ein Paket ankommt, ist es sehr unwahrscheinlich, dass das gelieferte Gerät die versprochenen Funktionen erfüllt oder tatsächlich Gold „finden“ kann. Es ist auch möglich, dass das gezeigte Gerät gar nicht existiert, nie ausgeliefert wird oder nur ein wertloser Ersatz ankommt – und das Geld dann schlicht weg ist.

Daher wird vor diesem Angebot ausdrücklich gewarnt.


6) Was stattdessen sinnvoll ist: „finden“ vs. „testen“

Viele Anzeigen verwischen absichtlich zwei Dinge, die man sauber trennen muss:

Gold finden: Das ist ein eigenes Feld. Dafür nutzt man echte Detektortechnik mit realistischen Erwartungen. Und man akzeptiert: Tiefe und Reichweite sind begrenzt – und hängen stark vom Boden und vom Zielobjekt ab.

Gold testen: Wenn du ein Stück bereits in der Hand hast, sind Prüfwerkzeuge sinnvoller als jede „Fernortung“. Genau hier setze ich selbst an: mit meinem MTI-00X Metalltester (Plausibilitätschecks) und der App IsItGold? (praktische Vorprüfung unterwegs). Das ist der Bereich, in dem Technik zuverlässig helfen kann – ohne Zaubertricks.


7) Mini-Checkliste vor dem Klick

Wenn dir so eine Anzeige begegnet, prüfe kurz:

  1. Gibt es echte, überprüfbare Anbieter- und Kontaktdaten (nicht Template-Platzhalter)?

  2. Werden technische Daten verständlich erklärt – oder nur Schlagworte („3D“, „Dichte“, „3000 m“)?

  3. Gibt es unabhängige Tests mit nachvollziehbarer Messmethode (nicht nur Werbevideos)?

  4. Klingt es „zu gut, um wahr zu sein“? Dann ist es das meistens auch.